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Interview mit Felix Jansen von der DGNB Teil 2

Wie versprochen erscheint heute der zweite Teil unseres Interviews mit Felix Jansen von der DGNB. Heute blicken wir in die Zukunft des nachhaltigen Bauens: Was muss sich in den nächsten Jahren noch ändern und welchen Beitrag kann jeder Einzelne von uns leisten? Außerdem hat Felix zum Schluss noch ein paar Worte an euch gerichtet. 


Bei meinen Recherchen zum Thema Nachhaltigkeit im Bau bin ich auf viele Angaben gestoßen, die besagen, dass bis 2030 oder 2040 alle Neubauten nachhaltig gebaut werden sollen. Was würdest du sagen, ist ein realistisches Ziel, wenn man auf die nächsten zehn Jahre blickt?


Das Allerwichtigste ist, dass überhaupt der Gestaltungs- und Umsetzungswille da ist. Wenn politisch ein bisschen mehr vorgegeben werden würde, wäre das jetzt sicherlich nicht völlig verkehrt. So oder so braucht es da Umdenken. Je mehr ich gezwungen werde umzudenken, desto besser ist es. Wir selbst haben aus der Historie der DGNB gemerkt, dass gerade die Immobilienbranche wahnsinnig kreativ ist, wenn es darum geht, Gründe zu finden, warum etwas nicht geht. Das Allerwichtigste ist, dass man es machen will und tut, anstatt die Zeit damit zu verbringen, Gründe zu finden, warum es nicht geht. Das ist Stand jetzt noch nicht so richtig gegeben. Ich bin fest davon überzeugt, dass es sich in wenigen Jahren dreht und dass diejenigen, die sich bisher verweigert haben, ganz natürlich darauf kommen und einfach merken, dass sie da etwas verpasst haben. Ich glaube, es hat etwas mit Steuerung von Geldern zu tun. Die CO₂-Steuer, wie sie jetzt angedacht ist, hat keine Steuerungswirkung. Solange sich der Rechtfertigungsdruck nicht legt, kommen wir auch aus dieser ganzen Grunddebatte nicht raus. Es muss sich faktisch lohnen. Wenn ich dann auch an meinem persönlichen Euro merke: „Oh, das tut mir weh, wenn ich es nicht tue“, dann kriegt es plötzlich eine ganz andere Geschwindigkeit. Dann haben wir nachher die Frage: „Haben wir überhaupt die Verfügbarkeit von Materialien, Handwerkern und so weiter?“.  Das Thema stellt, glaube ich, niemand mehr in Frage. Der Sektor, der die Klimaschutzziele für das letzte Jahr nicht erreicht hat, muss jetzt was tun! Insofern erhoffen wir uns natürlich auch deutlich mehr Aufmerksamkeit von der neuen Bundesregierung und auch eine Offenheit in den Markt hinein, dass es vielleicht auch Menschen, Organisationen und Unternehmen gibt, die zeigen, was alles möglich ist. Es ist ganz viel möglich, aber man muss es auch wollen. Einige muss man ein stückweit dazu bringen, dass sie es auch tatsächlich wollen.


Das ist ja auch bei vielen Dingen so, das trifft ja nicht nur auf Nachhaltigkeit zu. Du hattest vorhin schon erwähnt, dass man bei euch auch Mitglied werden kann. Sind das hauptsächlich Bauunternehmen oder können auch Privatpersonen sagen: „Ich würde total gerne Mitglied werden?“ Und wie läuft der Prozess ab?

Der Fokus ist schon auf Unternehmen, aber man kann bei uns tatsächlich auch als Privatperson Mitglied werden. Das sind Leute, die beispielsweise lange in dem Bereich gearbeitet haben und dann in Rente gegangen sind oder sich anders beschäftigen und denen das Thema vom Grunde her wichtig ist. Aber an sich kommt die DGNB schon aus dem B2B-Bereich. Das sind dann Unternehmen oder Organisationen aus allen möglichen Bereichen. Es gibt eine lange Wertschöpfungskette beim Bauen und wenn man einen Querschnitt daraus macht, wem dieses Thema besonders wichtig ist, dann hat man eigentlich die DGNB. Es sind Architekten, Fachplaner und Produkthersteller dabei sowie die Immobilienwirtschaft und Investoren; aber auch Kommunen, Verbände und Studierende sind eingeschlossen. Also prinzipiell sind wir erstmal für jeden offen und freuen uns über jeden, der sich engagieren will. Es sind auch Unternehmen dabei, die gar nicht aus der Baubranche kommen, die aber selbst viel mit Gebäuden zu tun haben. Zum Beispiel Automobilfirmen und ähnliche, die sich das für ihre Gebäude zum Baustandard genommen haben. Dann geht’s letztlich darum, was ich mir aus so einer Mitgliedschaft erhoffe. Das ist tatsächlich unglaublich vielfältig. Wir sind ein Mitmachverein, in dem man sich engagieren kann, in dem man sich auch fachlich einbringen kann und wo man Menschen aus ganz unterschiedlichen Hintergründen treffen kann, um sich dort zu vernetzen. Das Spannende beim Mitarbeiten in der DGNB ist, dass es nicht die Gruppe von Menschen ist, die sich immer trifft. Die DGNB schafft auf der Basis von diesem Grundprinzip des nachhaltigen Bauens (unser gemeinsamer Nenner) ein Ort der Begegnung. Menschen finden zusammen, die eine Offenheit mitbringen. Jeder versteht unter Nachhaltigkeit etwas anderes. Jeder hat Wünsche und Ziele, warum er bei den Dingen mitmacht. Was dort aber passiert ist Folgendes: Die Leute beginnen ein Stück zurückzutreten und zu verstehen: „Okay, neben meiner eigenen Herangehensweise gibt’s ja auch noch die Perspektive – Ja, das stimmt. Das habe ich so noch gar nicht gedacht.“ Dadurch beginnt man über dieses Thema Nachhaltigkeit, was dann über allem schwebt, für sich selbst anders nachzudenken. Da fängt es meiner Meinung nach an spannend zu werden. Das ist unser Hauptantrieb. Es geht darum, dass wir es richtig machen wollen und etwas Gutes hinterlassen wollen, auch für unsere Kinder. Dass wir im Miteinander einfach etwas Großartiges bewegen wollen. 


Ich glaube, es gibt auch was das Thema Nachhaltigkeit betrifft, ganz viele Vorurteile und Klischees, in die die Leute dann einkategorisiert werden. Aber an sich ist es glaube ich wirklich die Diversität, die den ganzen Prozess auch interessant macht. Wie du gerade schon gesagt hast: Jeder hat quasi seine eigene Vorstellung von Nachhaltigkeit und durch diese verschiedenen Vorstellungen entsteht ein großes Ganzes.

Ich glaube die Diversität ist wichtig, diese auch zu verstehen und als Chance zu begreifen. Ich glaube aber tatsächlich, dass die Vorbehalte gegenüber dem Konstrukt Nachhaltigkeit weniger werden. Wahrscheinlich ist Corona da auch im Nachhinein ein Beschleuniger, weil wir uns viel in den eigenen vier Wänden aufhalten und weil wir merken, dass soziale Kontakte fehlen. Wir merken: „Okay, vielleicht wär’s nicht so schlecht, hin und wieder mal im Büro zu sein.“ und: „Was fehlt uns da eigentlich daran?“. Wir alle haben auch wieder ein Gespür dafür, dass wir einen positiven Beitrag leisten wollen, dass wir etwas zum Positiven verändern wollen. Und da bietet Nachhaltigkeit im Bauen eine schöne Orientierung. Unter diesem großen Begriff sind ganz viele Einzelaspekte beteiligt, die alle wichtig sind. Das ist alles gut und das ist alles richtig. Aber lasst uns keinen Wettbewerb zwischen den Elementen der Nachhaltigkeit machen. Die Debatten um ökonomische Aspekte und Bezahlbarkeit sind mindestens genauso wichtig. Und da werben wir für: Im Ganzen so gut wie es geht auf Ideologien zu verzichten und sich im Sinne der großen Geschichte zu unterstützen.

Gibt es denn jetzt noch irgendetwas Spezielles, was du unseren Zuschauern bzw. Lesern gerne mitteilen würdest? 

Die wichtigste Botschaft beim nachhaltigen Bauen und bei der Frage: „Wie kann ich etwas erreichen?“, ist: Man muss es einfach machen, man muss anfangen und jeder kleine Schritt, den man gegangen ist, ist ein Schritt, den man positiv gegangen ist. Wenn man etwas verändern möchte, sollte man kurz zurücktreten und sich überlegen: „Was möchte ich verändern?“.  Dann sollte man überlegen: „Wo kann ich anknüpfen, damit ich tatsächlich zumindest ein kleines Stück Veränderung anstoßen kann?“. Es kann ja auch im Engagement bei uns bzw. im Mitwirken sein. Es fühlt sich dann auch gut an, wenn man angefangen hat und man etwas tut. Und dann ist man doch wieder zu zweit oder zu dritt. Also wer auch immer zuhört oder das hier gerade liest: Lasst euch nicht abschrecken! Einfach loslegen und machen und dann andere, die sich verweigern, so lange nerven, bis sie selbst auch mitmachen.


Vielen Dank für das Gespräch. Es war auf jeden Fall sehr informativ und gerade für uns jetzt auch interessant, wo wir in den Bereich Nachhaltigkeit einsteigen. Vielen Dank. 

Vielen Dank! 

Wir bedanken uns noch einmal ganz herzlich bei Felix Jansen und der DGNB für das Interview. Wir freuen uns, wenn ihr auf den Social Media-Kanälen und der Website der DGNB sowie auf unseren von PlakatQuadrat vorbeischaut.

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