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Interview mit Gründerin Madeleine Heuts

Heute kommt das zweite Experteninterview, passend zum Frauenmonat bei PlakatQuadrat. Zu Gast hatten wir Madeleine Heuts, Gründerin des Startups Raketenstart. Was sie über die Jura-Branche, übers Gründen und über ihren Podcast zu sagen hatte, erfahrt ihr hier. Außerdem findet ihr das ganze Video auf unserem YouTube-Kanal

Herzlich willkommen, heute ist Madeleine bei mir, sie ist die Gründerin des Startups Raketenstart. Ich würde sagen, wir fangen einfach mal damit an, dass du dich vorstellst.

Wie du schon gesagt hast, ich bin Madeleine und habe das Startup Raketenstart gegründet. Ich bin Juristin, also hab Jura studiert. Die Idee hatte ich im November 2019, also schon etwas mehr als zwei Jahre. Ich freue mich heute hier zu sein!

Du bist ja mit 27 noch ganz schön jung für eine Gründerin. 

Ja, ich habe direkt aus dem Studium heraus gegründet. Dementsprechend bin ich recht jung, obwohl das Jurastudium natürlich sehr lange ging, im Vergleich zu anderen Bachelorstudiengängen. Ich glaube, ich habe sechs oder sieben Jahre studiert. Aber ja, ich glaube, es ist auch eher unüblich, dass man direkt nach dem Studium gründet. Und ich glaube, die meisten gehen erstmal einem klassischen Job nach. Aber für mich lag es irgendwie nahe, weil die Idee da war und sich alles einfach so ergeben hat, das direkt zu machen.

Also das heißt, du hast dann das erste Staatsexamen gemacht, im Anschluss das zweite Staatsexamen und dann bist du direkt in die Gründung eingestiegen.

Tatsächlich direkt nach dem ersten Staatexamen. Also man wartet da normalerweise auf einen Referendariats-Platz, wenn man das in einer größeren Stadt machen will wie z.B. Köln, wo die Wartezeit nach meinem Examen ein Jahr war, habe ich mir gedacht: Dann kann ich in der Zwischenzeit ja auch schon was anderes machen. Die meisten gehen dann in eine Kanzlei. Das habe ich mir auch erst gedacht, aber hatte quasi auch schon die Idee zu Raketenstart und habe glaube ich dann auch noch ein paar Monate in einer Kanzlei gearbeitet und dann im Anschluss meine volle Zeit in Raketenstart investiert. Da bin ich dann auch hängengeblieben. Irgendwie cool.

Ja, es ist auf jeden Fall auch ein kleines Risiko. Also wie hast du dich dazu überwunden zu sagen: „Okay, ich mach das jetzt, auch wenn es vielleicht mit Risiko bzw. mit einem großen Risiko verbunden ist.“

Leute fragen immer wieder: „Wo nehmt ihr euren Mut her?“. Ich habe das tatsächlich gar nicht als so risikoreich empfunden, als ich damit angefangen habe. Wir sind jetzt in der ersten Finanzierungsrunde, da merkt man das dann schon, weil man da mit Beträgen hantiert, die man irgendwie einsammeln will oder als Kredit aufnehmen will. Da wird einem schon mal so ein bisschen mulmig. Ich glaube, wenn man aus dem Studium gründet, hat man halt den Vorteil, dass der Lebensstandard eh nicht so hoch ist und man es quasi gewohnt ist, keine Kohle zu haben. Das ändert sich als Gründer erstmal nicht. Und dementsprechend ist das eine ganz gute Situation zu gründen. Man hat halt noch keine Familie zu Hause sitzen und noch keine großen Kosten. Das macht das Ganze deutlich einfacher. Aber ansonsten glaube ich, wenn man eine Idee hat, für die man brennt, dann findet man jeden Tag wieder eine Lösung für die Probleme, die aufkommen. Und ich glaube, das wirkt von außen dann risikoreicher, als es tatsächlich ist. Vielleicht ist das aber auch Quatsch. Ich bin eigentlich voll der Sicherheitsmensch. Also deswegen habe ich auch gesagt, ich studiere Jura, weil ich dann weiß, ich kann damit alles machen, egal wie oft ich mich noch umorientieren. Das ist ein Handwerk, sag ich immer. Geistiges Handwerk, das du immer benutzen kannst. Und dementsprechend glaube ich, dass sich so viele Türen geöffnet haben. Ich würde halt immer wieder super schnell einen Job finden, wenn ich wollte. Und dementsprechend empfinde ich das gar nicht als so krass risikoreich. Aber man wächst natürlich in die Verantwortung rein, auch für die Mitarbeiter. Und das ist natürlich schon gerade nach dem Studium ein großer Batzen, der auf einen zukommt. 

Du bist ja Juristin und darauf zielt ja sozusagen auch dein Startup ab, denn es unterstützt Startups bei den rechtlichen Fragen bei der Gründung. 

Genau. Ich sag mal, wir digitalisieren die Rechtsberatung für Gründer und Startups. Wir digitalisieren den Rechtsberatungsbedarf für jeden, der keine interne Rechtsabteilung hat oder sich keinen Juristen einstellen kann. Das heißt, wir haben eine Online-Plattform entwickelt, die mit verschiedenen Modulen die rechtlichen Themen, die für Unternehmer so aufkommen, komplett abdeckt. Das bedeutet im Klartext: Man meldet sich als Unternehmen bei uns an, das ist erstmal kostenlos. Dann kann man sich ein Unternehmensprofil erstellen, wo man verschiedene Angaben machen kann, damit wir denjenigen einstufen können. Beispielsweise: Ich habe eine GmbH, wir sind drei Gründer, ich habe schon eine Marke angemeldet, solche Dinge. Und dann haben wir eine KI, die dahinter liegt, die dann personalisierten Content auf das Unternehmen zuschneidet. Bedeutet, man bekommt ein Blog-Artikel angezeigt, der relevant ist für den Stand des Unternehmens und für den Bedarf. Plus, man kann dann unsere Produkte buchen. Das ist das erste Modul. Da kann man, wenn man zum Beispiel eine Idee hat, alle rechtlichen Themen lernen, die man so braucht. Es geht dann über „Welche Rechtsform eignet sich für mich?“, „Wie stelle ich Mitarbeiter ein?“, „Was muss ich bei einer Website beachten?“. Und dann gibt’s noch verschiedene Spezial-Pakete, je nach Branche. Also für Foodblogs, Verpackungs-Gesetze und sowas alles. Ja, da wird’s dann ein bisschen spezieller. Mit dem Wissen aus der Akademie kann man dann auf der zweiten Stufe in unserem Legal Tech Tool z.B. dem Vertrags-Generator selbst Verträge bauen, weil man ja auch durch die Akademie weiß: „Okay, ich will die und die Klausel haben.“ und wenn dann noch Einzelfragen übrig sind, verknüpfen wir die Leute in der dritten Stufe mit Rechtsanwälten, die alle ausgewählte Experten sind. Und dann kann man sich einfach per Video Chat direkt mit dem Anwalt in Verbindung setzen. Ich sage immer, das ist so die digitale Rechtsabteilung für Unternehmer, weil man sowohl eine Wissensdatenbank hat als auch Tools, damit man rechtliche Themen klären kann. Und man hat quasi sein persönliches Anwaltsteam aus Leuten, die man jederzeit konsultieren kann, wenn man Fragen hat.

©Madeleine Heuts

Wahrscheinlich ist es auch ein bisschen beängstigend, für junge Gründer, weil sofort wieder der Gedanke kommt: „Dann habe ich eine große Verantwortung und das kostet bestimmt viel Geld.“ Dein Konzept von Raketenstart wirkt auf jeden Fall auf viel Gründer erstmal entlastend und auch sympathisch. Dann sagt man vielleicht schneller: „Okay, dort hole ich mir die Hilfe und nicht in einer Anwaltskanzlei, wo ich erstmal gar nicht weiß, wer genau mein Ansprechpartner sein wird.“

Also ich glaube, das Kernproblem, was noch dazukommt ist Folgendes: Irgendwie haben Anwälte und Mandanten immer ein Kommunikationsproblem. Also ich habe oft das Feedback bekommen, dass Leute mir sagen: „Ich war beim Anwalt und ich habe nichts verstanden.“. Und das ist natürlich auch Teil des Geschäftsmodells, weil du natürlich dadurch mehr Beratungsaufwand erzeugst, wenn der Gegenüber nicht genau versteht was die Hintergründe sind. Anwälte arbeiten nach Belieben, bedeutet, dass jede Stunde, die du abrechnen kannst, Geld bringt. Tatsächlich sind die vom Berufsrecht her auch sehr eingeschränkt. Das heißt, sie können nicht so gut ergebnisorientiert arbeiten, weil sie das zum Teil einfach gesetzlich nicht dürfen. Und dann willst du ja auch gar nicht, dass die Stunden reduziert werden können. Das kann ich auch voll nachvollziehen. Auch bei Anwälten hat sich inzwischen ein Umdenken gebildet. Die meisten Kanzleien können das gar nicht mehr abdecken. Das heißt, die versuchen natürlich auch an verschiedenen Stellen Prozesse zu automatisieren, zu digitalisieren. Und es macht auch einfach als Anwalt keinen Spaß, tausenden Startups zu erklären, was eine GmbH ist. Und dann kannst du dein Geld quasi besser verdienen, wenn du sowieso schon ausgelastet bist. Das sind genau die Fragen, die jetzt eigentlich auch nicht so wirtschaftlich sind, sodass die meisten Anwälte am Anfang sehr stark reduzierte Stundensätze anbieten oder kostenlose Beratung durchführen, in der Hoffnung, dass jemand dann das Vertrauen in sie entwickelt. Natürlich wird es erst wirtschaftlich für die Kanzlei, wenn das Unternehmen größer wird und der Beratungs-Aufwand größer ist. Das Problem dabei ist aber natürlich, dass es sehr viel Zeit und sehr viel Geld kostet. Und wir wissen alle wie viele Startups scheitern. Das heißt, du investierst als Anwalt sehr viel Zeit und Geld in ein Startup in der Hoffnung, dass es groß wird und dann scheitert es und alles war umsonst. 

Ich wollte gerade nochmal auf was anderes eingehen. Du hast gesagt, du hast jetzt bei dir im Loft auch einen Podcast Raum. Und du hast deinen eigenen Podcast. Da erscheint glaube ich jeden Sonntag eine neue Folge. Was sind die Inhalte deines Podcast und wo kann man sich den anhören?

Wir haben mit dem Podcast angefangen, vor allem mit Interviews mit anderen Gründern. Das war für uns eine super coole Möglichkeit rauszufinden, welche rechtlichen Themen schieflaufen in Unternehmen. Und das ist auch das, wo ich immer in den Interview-Folgen mit Gründern drüber spreche. Was sind so die die größten legalen „Fuck-ups“, die man so gemacht hat. Und da sind auch wirklich Leute dabei, die schon irgendwie 10 oder 20 Jahre Erfahrung haben. Wir sprechen natürlich auch über die Produkte und Visionen der Leute, aber auch sehr viel über die rechtlichen Themen, die so aufgekommen sind. Und das ist wirklich cool, dass da so viele „Learnings“ weitergegeben werden können. Und dann machen wir inzwischen auch viele Inhalte, wo wir selbst juristische Themen erklären, die für die Gründung relevant sind. Also ein klassisches Ding ist z.B. Mitarbeiterbeteiligung. „Was ist das überhaupt?“ „Wie kann man das umsetzen?“ „Was gibt’s so für Formen?“ Und das sind oft so Teaser-Inhalte für unsere Academie. Dann, wenn man sagt: „Okay, das interessiert mich jetzt, da würde ich mich gerne reinarbeiten und das vielleicht in einem Unternehmen umsetzen.“, dann kann man quasi in die Akademie gehen und das dann da ein bisschen vertiefen. Und ja, es macht sehr viel Spaß und es ist cool, wenn wir dann auch noch einen Podcast Raum haben. 


Sehr schön. Gibt’s sonst irgendwas, was du gerne noch loswerden wollen würdest?

Ich glaube mal an die Gründerszene gerichtet. Ich würde immer wieder gründen. Also wenn die Leute zuhören, die sich noch unsicher sind, die aber eine Idee haben oder so: Es lohnt sich! Geht raus. Macht. Sprecht mit den Leuten. Man kann auch immer gerne bei mir melden, wenn irgendwer Hilfe braucht oder so. Ich glaube, es ist eine Achterbahnfahrt. Aber die Entscheidung dazu lohnt sich. Man nimmt unglaublich viel für sich mit. Egal ob es jetzt gut läuft oder nicht. Und ja, ich kann nur jedem raten, wenn er eine Idee hat zu gründen, es auf jeden Fall zu machen und viel Spaß dabei zu haben. Ich glaube, das ist das  Allerwichtigste. 

Super! Vielen Dank für das super Interview! 

Dann danke dir für das tolle Gespräch und sehr gerne! 

Das ganze Interview findet ihr auf unserem YouTube-Kanal, schaut gerne vorbei.

©Madeleine Heuts

Die Rechte der hier verwendeten Bilder liegen bei Madeleine Heuts.

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