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Interview mit Dachdeckerin Paula Eberhard

Bei PlakatQuadrat widmet sich der diesjährige März den verschiedensten Frauen aus unterschiedlichen Branchen. Heute haben wir Paula Eberhard im Gespräch. Paula ist 22 Jahre alt und Dachdeckerin aus Hannover. Wir haben uns mit ihr über den Weg zu ihrer Berufswahl unterhalten, wie ihr täglicher Arbeitsalltag als Dachdeckerin aussieht und auch darüber, was es vielleicht für Schwierigkeiten gibt. Das Interview mit Paula wurde aufgenommen, welches Ihr auf unserem YouTube Kanal finden könnt.

Stell dich einfach mal ganz offen vor! Dachdeckerin ist ja vielleicht eher erst einmal ein außergewöhnlicher Beruf. Wie bist du darauf gekommen, Dachdeckerin zu werden?

Ich bin Paula Eberhard. Ich bin 22 Jahre alt und ich komme aus Hannover und bin Dachdeckerin. Der Berufswunsch entstand durch meinen Vater. Eigentlich wollte ich Tierarzthelferin werden und hatte in dem Bereich schon zwei Schulpraktika gemacht. Ich wollte mein drittes Praktika als Tiermedizinische Fachangestellte oder Tierpflegerin machen – Hauptsache irgendetwas mit Tieren. Mein Vater hat gesagt, ich solle mal was anderes ausprobieren und so bin auf den Beruf Dachdecker aufmerksam geworden. Da mein Onkel auch Dachdecker ist wollte ich das Praktikum erst bei ihm machen, das durfte ich aber nicht. Daraufhin habe ich mir einige Dachdecker-Betriebe herausgesucht und mir wurde nach einem zweiwöchigen Schulpraktikum und etwas Jobben in den Ferien, ein Ausbildungsplatz angeboten. Dann bin ich da quasi so reingerutscht. Mit 17 Jahren habe ich die Ausbildung angefangen, damit hat eigentlich alles begonnen.

Du bist ja jetzt noch relativ jung. Hast du besonderen Ziele, wo du beruflich noch hin möchtest? Du bist ja Gesellin. Hast du schon einmal darüber nachgedacht, den Meister zu machen?

Ich habe darüber nachgedacht und ich bin mir noch nicht ganz sicher, was ich noch machen möchte. Erst einmal möchte ich arbeiten, mir ein bisschen etwas verdienen und dann mache ich vielleicht noch den Meister. Bis jetzt bin ich auf jeden Fall total zufrieden mit meiner Berufswahl.

Vielleicht kannst du uns einfach mal schildern, wie dein täglicher Arbeitsalltag aussieht? Wann musst du los? Wie lange arbeitest du? Was sind deine Aufgaben und was ist deine Lieblings-Tätigkeit? 

In meiner jetzigen Firma arbeiten wir im Sommer von 7 Uhr bis 16 Uhr. Wir treffen uns morgens auf dem Platz und besprechen, wer mit wem wohin fährt und was wir dort machen. Dann geht’s meistens schon zur Baustelle. Meistens fahren wir 5 Minuten, aber auch manchmal eine Stunde. Die tägliche Abwechslung ist das Schöne daran. Bei etwas größeren Baustellen sind wir meistens in festen Teams eingeteilt, aber wenn es um Flickarbeiten oder Reparaturen geht, dann wird schon mal gerne getauscht. Aber das ist auch schön.

 Wir sind meistens auf Steildächern oder Flachdächern unterwegs. Ich bin gerne auf dem Steildach. Flachdach ist auch in Ordnung, aber muss nicht unbedingt sein. Steildach ist schon schön mit der Ziegeleindeckung, dem Einlatten und der Schiefung der Dachgauben. Schiefern macht mir am meisten Spaß. Schieferplatten sind Natursteine, die du an den „Dreiecken“ vom Dach findest. Dort werden meistens Ortgänge gedeckt und darunter wird ein Schieferband gezogen.

Sind auch richtig hohe Gebäude dabei?

Ja immer. In meinem ersten Betrieb waren wir zum Beispiel auch in Hannover bei der Uni unterwegs und dort sind ja auch riesige Gebäude. Oder auf Garagen, die sind natürlich nicht so hoch und nicht so steil. Die richtig hohen Gebäude sind meine Lieblings-Gebäude.

Gab es denn schon einmal einen Arbeitsunfall? DachdeckerIn ist ja auch ein Beruf, der ein bisschen Gefahr mit sich bringt.

Ja, stimmt. An sich ist mir eigentlich noch nicht so viel passiert. Ich habe mir zwei mal mit dem Cuttermesser in die Hand geschnitten oder die Fingerkuppen abgeschnitten, aber so richtig vom Dach geflogen bin ich noch nicht. Beim ersten Mal hab ich mir beim Bleischneiden in Hand geschnitten. Das war nicht so schlau, aber gut. Mein Kollege hat das verbunden und ich habe weitergearbeitet, weil ich dachte, es ist nicht so tief. Abends bin ich mit meiner Mutter ins Krankenhaus gefahren, weil es doch ein bisschen tiefer war und es noch immer geblutet hat. Beim zweiten Mal war Gott sei Dank mein alter Chef dabei. Er hat dann Erste Hilfe geleistet und mich ins Krankenhaus gefahren. Größere Unfälle gab auch bei meinen KollegInnen Gott sei dank nicht.

Sind in deinem Betrieb auch andere Frauen tätig oder bist du die Einzige?

Meine Chefin ist eine Frau. Eine Dachdecker-Meisterin.

Sehr cool! Das hört man ja tatsächlich leider nicht so häufig. Würdest du denn selbst deine Branche als eine männerdominierte Branche bezeichnen oder würdest du sagen, dass es ein überholtes Klischee ist, was gar nicht mehr so existiert?

Beides, hauptsächlich arbeite ich eigentlich nur mit Männern zusammen. Meine Chefin ist auch im Büro. In der Berufsschule hatte ich noch eine Frau, aber auf Lehrgängen waren wir von 200 Männern, vielleicht 2 Frauen. Es sind nicht viele, aber es werden mehr. Auf Lehrgängen war es eher so, dass mir zum Beispiel gesagt wurde: „Du bist eine Frau: Schaffst du das überhaupt, eine Rolle Schweißband auf die Schulter zu kriegen oder Dachsteine zu werfen?“ Auf dem Bau direkt wurde ich eigentlich nicht damit konfrontiert. Zwischendurch hat man mal einen Blick bekommen so nach dem Motto: „Du bist doch eine Frau, was machst du hier?“ Aber sonst überhaupt nicht. Eigentlich wurde ich relativ gut aufgenommen.

Gibt es ein Projekt, welches dich am meisten beeindruckt hat?

Das hatte ich in meiner Freizeit. Das coolste Projekt war die Schiefer-Eule, die auf meiner Instagram-Seite ist. Die habe ich für meine Mutter zum Geburtstag gemacht. Das war schon ziemlich cool und sehr herausfordernd. Ich habe eine kleine Werkstatt in einem kleinen Kellerraum. Da bin ich ganz oft und schiefer da auch gerne und mache kleine Tierchen.

Was machst du denn außerhalb deines Berufsalltags?

Meine Eltern haben einen Hund, mit dem gehe ich gerne raus. Da haben wir wieder das Thema Tiere. Sonst mache ich gerne Sport, ich gehe zum Beispiel regelmäßig Joggen und verbringe die meiste Zeit mit meinen Freunden und der Familie. Jetzt leider nicht mehr, aber vorher ja.

Es ist ja sowieso alles ein bisschen lahm gelegt. Haben sich in deinem Berufsalltag durch die Pandemie Einschränkungen oder Änderungen ergeben?

Bei uns zum Glück überhaupt nicht. Für mich hat sich kaum etwas geändert, nur in der Freizeit. Der Arbeitsalltag ist der selbe geblieben.

Gibt es einen Verbesserungsbedarf, den du deiner Branche sehen möchtest?

Die Jugend fördern! Dass mehr Leute in Dachdecker-Betriebe gehen und dort ihre Ausbildung machen. Ich finde, dass wird noch etwas zu wenig oder an den falschen Stellen gefördert.

Die Jugend fördern und mehr über den Beruf aufklären, ist auch ein Grund für deinen Instagram-Account?

Das ist mit der Hauptgrund, warum ich die Seite überhaupt gemacht habe, dass mehr Jugendliche auf den Dachdecker-Beruf aufmerksam werden und das auch machen möchten. Mich hat letztens eine Frau angeschrieben und gefragt, wie ich auf den Beruf gekommen bin und wie mein Alltag aussieht. Das fand’ ich toll. Den Account habe ich vorletztes Jahr im Dezember gemacht. Obwohl ich nie gedacht hätte, dass das überhaupt so schnell geht. Unglaublich.

Meinst du, es gibt Teile deines Berufes, für die Männer aufgrund ihrer Stärke besser „gemacht“ sind als Frauen?

Man kann es als Frau auch schaffen, genau wie die Männer. Klar, erst ist es wirklich schwer, auch als Frau. Aber auch als Mann ist es schwer, wenn du die ganze Zeit nur in der Schule saßt und dann den ganzen Tag an der frischen Luft bist. Es ist schon schwer in der ersten Zeit, aber man gewöhnt sich ziemlich schnell daran. Es gibt so viele Sachen im Handwerk, die einem in der Schule gar nicht gezeigt werden. Einach ausprobieren!

Über Handwerksberufe wird leider noch viel zu wenig informiert! Vielen Dank auf jeden Fall für das Interview!

Danke Euch!

Schaut unbedingt auf Paulas Instagram @pauladachdeckerin vorbei!

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